Bei dieser Website handelt es sich nicht um ein aktiv gepflegtes Projekt, sondern um ein zeitgeschichtliches Zeugnis, das auf diesem Wege der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und dauerhaft bewahrt werden soll.
Die ursprünglichen Inhalte entstanden im Rahmen meines Schulprojekts in den Jahren 1998/1999. In Zusammenarbeit mit dem Förderverein der Stadtbücherei Mössingen (unter dem damaligen Vorsitz von Dr. Dieter Schmidt †2025) sowie dem damaligen Museumsleiter Dr. Hermann Berner wurde ein für seine Zeit innovativer interaktiver Stadtrundgang mit verschiedenen multimedialen und interaktiven Elementen realisiert.
Aufgrund ihres Alters liegen viele der verwendeten Grafiken, Fotografien und Videos heute nur noch in eingeschränkter Qualität vor. Diese Daten stammen aus wiederentdeckten Backups, die leider nicht vollständig erhalten werden konnten. In einigen Fällen fehlen bestimmte Inhalte sogar vollständig. Wo immer möglich, wurden die Materialien behutsam restauriert, teilweise auch unter Nutzung von KI. Die Originaldateien sind jedoch immer zusätzlich verlinkt.
Die Website wurde technisch an aktuelle Browserversionen angepasst, um die langfristige Zugänglichkeit zu gewährleisten. Trotz der unvermeidlichen Lücken und Einschränkungen hoffe ich, dass die verfügbaren historischen Materialien dennoch einen wertvollen Einblick in die Vergangenheit bieten.
Herzlich willkommen im virtuellen Heimatmuseum Mössingen. Da wir bisher nicht über die Räumlichkeiten für ein reales Heimatmuseum verfügen, laden wir Sie ein, das alte Mössingen und seine Geschichte im Internet zu erkunden.
Wir ermöglichen Ihnen zum einen den elektronischen Rundgang durch den Altort, bei dem Sie Sehenswürdigkeiten auf einem Stadtplan auswählen und anklicken können: Es erscheinen dann aktuelle und ältere Fotos historischer Gebäude mit erläuternden Texten, unterstützt durch Videos und Tondokumente.
Zum anderen geben wir Ihnen einen kurzen Abriss der Ortsgeschichte. Davon ausgehend können Sie durch das Anklicken hervorgehobener Schlagworte die verschiedenartigsten heimatgeschichtliche Kapitel öffnen, deren Darstellungen durch Bild-, Film- und Tondokumente angereichert werden.
Querverbindungen zwischen dem virtuellen Stadtrundgang und den heimatgeschichtlichen Kapiteln sind mit Hilfe geeigneter Links schnell möglich. So können z.B. in der Geschichte des Mössinger Handwerks sofort alte Handwerkerhäuser auf dem Stadtrundgang vergegenwärtigt werden, mit einem Blick in die früheren Werkstätten im Rechenmacherhaus oder in die alte Messerschmiede.
Mitwirkende:
Konzeption und Inhalt:
Dr. Hermann Berner - Heimatmuseum Mössingen
Dr. Dieter Schmidt - Förderverein Stadtbücherei Mössingen
Fotos:
Klaus Franke
Manfred Grohe
Technische Realisation:
Samuel Schultz
Johannes Radtke
Mössingen bildet mit seinen Ortsteilen Belsen, [Bad Sebastiansweiler] und Bästenhardt sowie mit dem im Zuge der Gemeindereform 1971 hinzugekommenen ehemals selbstständigen Gemeinden Öschingen und Talheim den Hauptort des Steinlachtals. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Mössingen im Lorscher Codex im Jahre 774. Der Ort Mössingen selbst ist eine frühe alemannische Siedlung, auf der Gemarkung finden sich ebenfalls keltische und [römische Siedlungsspuren].
Mössingen gehörte bis Anfang des 15. Jahrhunderts den Grafen von Zollern. Auch die Mössinger Burg, die 1344 erwähnt wird, war im Besitz von Zollerischen Dienstleuten. 1415 verkaufte Graf Friedrich von Zollern (genannt der Öttinger) Mössingen an Graf Eberhard von Württemberg. Nach langwierigen Auseinandersetzungen kam Mössingen endgültig im Jahre 1441 zu Württemberg.
Nach großen Bevölkerungsverlusten während der Pestzeiten und dem 30jährigen Krieg begann die Bevölkerungszahl Mössingens seit dem 18. Jahrhundert stetig zu wachsen. Mit den traditionellen landwirtschaftlichen Produktionsmethoden ließ sich die Einwohnerschaft jedoch nicht mehr ernähren, so daß nach und nach eine gewerbliche Entwicklung einsetzte. Den ersten Boom lösten in Mössingen die [Schnapsbrenner] aus. Um 1800 gab es über 300 Brennereien in Mössingen, bei einem Bestand von 400 Wohngebäuden. Den zweiten bedeutenden Erwerbszweig bildete in der Folgezeit die Produktion von Rechen und Gabeln, auf die sich einheimische Wagner spezialisierten. Wie schon der Schnaps wurden auch die Rechen und Gabeln in der näheren und weiteren Umgebung verkauft. Zu bedeutenden Handwerkszweigen entwickelten sich in Mössingen im 19. Jahrhundert ebenfalls die [Küfereien], [Drechslereien] und Schreinereien. In Heimarbeit wurde gewoben und gestrickt, zahlreiche Schuhmacher fertigten Schuhe für Märkte und Schuhfabriken im Hechinger und Reutlinger Raum. Nach und nach entstanden Mössinger Spezialprodukte, wie die Spätzlesmaschinen und [kupferne Bettflaschen] mit einer speziellen roten Patina oder Kassenschränke Made in Mössingen. Für die meisten Mössinger Handwerker und Gewerbetreibenden blieb die Basis des Broterwerbs jedoch die Landwirtschaft, von der allein sie aber nicht mehr leben konnten. Grund für die Verknappung der bäuerlichen Lebensgrundlage war das enorme Bevölkerungswachstum und die Realteilung, die die landwirtschaftliche Produktionsfläche immer mehr zerstückelte und verkleinerte. Aber nicht nur Ländereien wurden geteilt, auch die Gebäude, so daß in den meisten Häusern mehrere Familien wohnten.
Viele Mössinger Bürger lebten an oder gar unter dem Existenzminimum, was zu ständig wiederkehrenden Auswanderungswellen führte. Vom Ende des 18. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wanderten die Mössinger vor allem nach Osten, ab 1850 zog es die Auswanderer dann in erster Linie in die USA.
Mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Tübingen-Hechingen 1896 gelangte auch Mössingen in den Sog der [Industriealisierung]. Neben drei großen Textilfabriken gab es um die Jahrhundertwende vor Ort zwei Zementsteinfabriken und einige expandierende Holzverarbeitungsbetriebe. An der Lebensgrundlage der Bevölkerung änderte sich dadurch wenig. Nach dem Handwerkerbauern entstand nun der Arbeiterbauer.
Trotz einer traditionellen pietistischen Prägung verbreitete sich in Mössingen Anfang des 20. Jahrhunderts sozialistisches Gedankengut. In den zwanziger Jahren entwickelte sich die Mössinger KPD zu einer das Ortsleben prägenden Partei, in deren angegliederten Arbeitervereinen viele Mössinger ihre Freizeit verbrachten. Als einziger Ort im gesamten Reichsgebiet folgte im Januar 1933 Mössingen dem Aufruf der KPD zum Generalstreik, durch den Hitlers Machtergreifung verhindert werden sollte.
Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte Mössingen ein stürmisches Bevölkerungswachstum und wurde 1974 als damals größtes Dorf von Baden-Württemberg zur 1200-Jahrfeier in den [Stand einer Stadt] erhoben.
Samuel Schultz
Hohenzollernstr. 14
72379 Hechingen
mail@samuel-schultz.de